Der GLAUSER-Preis in der Kategorie "Roman" geht an Anne Freytag. Die Auszeichnung wurde am Samstag, den 9. Mai 2026, in einer großen Gala im Rahmen der CRIMINALE in Salzburg verliehen. Der Preis ist mit 5.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert.
Preisträgerin des Glauser 2026 in der Kategorie "Roman": Anne freytag: Blaues Wunder (Kampa)
Blaues Wunder (Kampa)
Foto © Studio Tasca
Nora und Ferdinand Mattern und Franziska und Kilian Dannenberg sind zusammen mit dem Chef der beiden Ehemänner, Walter Bronstein, auf dessen Luxusyacht in philippinischen Gewässern unterwegs. Ein glamouröses Event jagt das nächste. Dabei geht es vordergründig um das Wahren der eigenen Fassade und ganz trivial um das Ausstechen des jeweils anderen Ehepaares. Denn einer der beiden Männer soll Partner werden. Ein tagelanges Assessment-Center, als Traumurlaub verkleidet, findet statt. Alle wissen, dass Walter, der Chef einer Bank, nichts verschenkt. Nichts, ohne etwas dafür haben oder etwas damit wieder gutmachen zu wollen.
Mehrere Tage sind die Paare auf der Yacht feudal eingeengt, weit weg von zu Hause. Walter hat einen Plan, dessen Spielregeln jedoch keiner kennt.
Berichtet wird abwechselnd aus der Perspektive der Frauen. Auch Walters Frau Rachel hat ihre Sicht. Sie weiß etwas. Und sie spielt ihre Rolle gut: Abgründig, infam, genial. Aber welche Rolle spielt David, Rachels und Walters erwachsener Sohn? Er spricht kaum ein Wort, raucht Kette, kommt und geht, wann er will. Sehr zum Missfallen seines Vaters. Warum also ist er bei der Fahrt dabei?
Es brodelt im Paradies. Lügen, Halbwahrheiten und Manipulationen prägen die Interaktionen und führen zu einem immer stärkeren Gefühl des Misstrauens. Alle spüren es: Es wird etwas passieren und es wird schmerzhaft sein.
Anne Freytag ist mit Blaues Wunder erneut ein fesselnder und psychologisch dichter Roman gelungen. Die zwischenmenschlichen Dynamiken, die beruflichen Rivalitäten und die persönlichen Unsicherheiten, die jeder Einzelne mit sich trägt, werden detailliert seziert. Ein beunruhigender Trip in die Abgründe menschlicher Beziehungen und spannungsgeladen bis zur letzten Seite.
Außerdem nominiert waren:
Wolfgang Maria Bauer: Kaltblut (C. Bertelsmann)
Vera Buck: Der dunkle Sommer (Rowohlt Polaris)
Zoran Drvenkar: ASA (Suhrkamp)
Cay Rademacher: Nacht der Ruinen (Dumont)
Jury: Ursula Hahnenberg, Hendrik Berg, Peter Märkert, Bernhard Aichner, Klaudia Blasl, Andreas Russenberger, Thea Krüger und Lena Johannson (Jury-Organisation)
(Die Aussschreibungen für das Jahr 2027 finden Sie hier.)

