Wolfsfährte
Niederbayern-Krimi
Karoline Eisenschenk
Allitera Verlag
Gregor Cornelius reist voller Vorfreude nach Niederbayern, um die Chronik der mittelalterlichen Stadt Altenberg zu überarbeiten. Kurz vor seinem Ziel entgeht er nur knapp einem Unfall, der offenbar durch illegale Autorennen auf den nächtlichen Straßen verursacht wurde. Währenddessen sorgt die Anwesenheit eines Wolfes im nahegelegenen Forst für Unruhe und steigende Forderungen nach einem Abschuss. Bürgermeisterin Christina Bogner, die sich als Politneuling behaupten muss, wird zunehmend mit Hass, Hetze und Drohungen konfrontiert – insbesondere wegen ihres starken Einsatzes für den Umwelt- und Artenschutz. Eines Morgens wird sie tot in ihrem Haus aufgefunden. Die Landshuter Mordkommission stößt auf ein Netz aus Intrigen, Lügen und Geheimnissen, während Cornelius allmählich einen furchtbaren Verdacht hegt, der ihn nicht mehr loslässt.
Karoline Eisenschenk
Karoline Eisenschenk ist 1975 geboren und in der Nähe von Landshut aufgewachsen. Nach dem Abitur und einer Lehre als Hotelfachfrau studiert sie Anglistik und Geschichte in München und Canterbury.
Ihre ersten Krimis spielen auf den britischen Inseln und werden unter ihrem Pseudonym "Katelyn Edwards" veröffentlicht. Parallel dazu startet mit „Walpurgisnacht" unter dem Autorennamen Karoline Eisenschenk die niederbayerische Regionalkrimireihe um den Privatermittler Gregor Cornelius, einem emeritierten Münchner Geschichtsprofessor, die aktuell fünf Bände umfasst.. Karoline Eisenschenk lebt heute in einem kleinen niederbayerischen Dorf und schreibt an Manuskripten für weitere UK- und Regionalkrimis.
Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Karoline Eisenschenk
Wo schreibst du am liebsten?
Zu Hause, ganz unprätentiös an meinem Schreibtisch oder mit einem kleinen Tischchen auf meiner Longuechaise.
Welcher ist dein Lieblingskrimi?
Das sind bis heute unangefochten die Krimis von Agatha Christie.
Warum bist du im SYNDIKAT?
Der Verein bietet tolle Möglichkeiten sich mit Krimiliebhabern auszutauschen und zu vernetzen, an interessanten Veranstaltungen teilzunehmen und so über den eigenen Bücherrand hinauszuschauen.
Dein Sehnsuchtsort?
Cornwall.
Dein Lieblingsgetränk?
Milchkaffee.
Wo findest du Ruhe?
Beim Sport. Ich liebe den Langstreckenlauf, der mich körperlich und geistig Kraft tanken lässt.
Deine persönlich meist gehasste Frage?
Wie kommt man jetzt dazu ein Buch zu schreiben?
Leseprobe
Gregor Cornelius spazierte gut gelaunt durch den Wald. Die Luft fühlte sich klar und rein an, und obwohl die sommerliche Hitze allmählich zurückkehrte, war es unter den Bäumen noch angenehm. Die Gewitternacht hatte auch hier ihre Spuren hinterlassen. Äste und Zweige lagen auf dem Forstweg, und Bäume hatten sich stark gebogen oder waren sogar abgeknickt. Zahlreiche Mücken tanzten um die Regenpfützen, in denen sich die Nachmittagssonne spiegelte. Cornelius kontrollierte seine Wanderkarte und ging dann geradeaus weiter, um bei der nächsten Lichtung eine kleine Pause zu machen. Von dort vernahm er schon aus der Ferne laute Stimmen. Beim Näherkommen sah er zwei Personen, die heftig miteinander stritten. Er folgte dem äußeren Weg, der die Lichtung in einem größeren Bogen umrundete, konnte jedoch trotzdem jedes Wort verstehen. Und jetzt erkannte er in dem großgewachsenen Mann auch den Revierförster Marco Lichtenfels.
»Ich existiere doch überhaupt nicht mehr für dich. Das Einzige, was dich beschäftigt und begeistert, ist deine Arbeit«, rief die Frau aufgebracht. Sie war schmal, trug T-Shirt und Khakihosen und hatte sehr kurze, braune Haare, sodass er sie aus der Entfernung für einen Jungen gehalten hatte.
»Ich sitze nun mal nicht in einem Büro, wo ich einfach den Stift fallen lassen und nach Hause gehen kann«, hörte er Lichtenfels antworten. »Du hast immer gewusst, dass ich einen sehr fordernden Beruf habe.«
»Ich habe als Lehrerin auch einen fordernden Beruf und trotzdem noch ein Leben neben der Arbeit. Aber du erlaubst dir keine Minute zum Durchatmen. Und soll ich dir etwas sagen: Dir taugt es doch so. Hauptsache, du kannst vor dich hinwerkeln und dich von allem zurückziehen. Aber ich mache so nicht mehr weiter.«
Cornelius beeilte sich, an den beiden vorbeizukommen. Lichtenfels wäre bestimmt nicht begeistert, ihn als Ohrenzeugen ihres Ehekrachs zu wissen. Bald wurden die Stimmen leiser. Noch einmal konsultierte er seine Karte. Bei der nächsten Weggabelung würde er die Abzweigung zurück nach Neukirchen nehmen. An einer Stelle blockierte ein Baumstamm den Weg, sodass Cornelius gezwungen war, durch das Unterholz weiterzugehen. Vorsichtig wich er den dornigen Armen eines Busches aus und schob sich zwischen zwei Sträuchern hindurch. Ein Knacken ließ ihn aufschrecken. Er blieb stehen und sah sich um. Irgendwo hämmerte ein Specht, Vögel zwitscherten, aber weit und breit keine Menschenseele. Trotzdem hatte er auf einmal das untrügliche Gefühl, beobachtet zu werden. Erneut knackte es, gefolgt von einem Rascheln, als ob sich eilige Schritte den Weg durch das Gehölz bahnen würden. Zwischen den Büschen glaubte er, einen geduckten Schatten auszumachen.
Nach einigen Sekunden angespannten Wartens ging er weiter. Ein kleiner Wasserlauf zwang ihn, etwas weiter in das Unterholz auszuweichen. Das Empfinden, beobachtet zu werden, wuchs mit jedem Schritt. Abrupt blieb er stehen und blickte sich um. Nichts. Nur Baumstämme, Äste, Zweige, Büsche. Schließlich erreichte er wieder den Forstweg und kurze Zeit später die Abzweigung nach Neukirchen. Hier spendeten die Bäume weniger Schatten, und er spürte die warme Luft und die Sonne. Der Pfad in die entgegengesetzte Richtung führte einen Hang mit neuen Baumsetzlingen hinauf. Aber davon war so gut wie nichts mehr zu sehen. Eine Schlammlawine hatte sich auf breiter Front den Abhang herabgewälzt, wahrscheinlich ausgelöst durch den nächtlichen Starkregen. Entwurzelte Bäumchen ragten aus der grau-braunen Masse. Auch die Überreste einer Holzbank konnte er erkennen. Ob Marco Lichtenfels diese Zerstörung schon entdeckt hatte? Er holte sein Mobiltelefon hervor, um ein Foto zu machen. Die erste Aufnahme hatte Gegenlicht, aber die zweite war ihm besser gelungen, wie er mit prüfendem Blick feststellte. Plötzlich erstarrte er …
Das SYNDIKATS-Gewinnspiel
Die Gewinnspielfrage: Welchen Beruf hatte Gregor Cornelius vor seiner Pensionierung? Unter den richtigen Einsendungen wird ein Exemplar von „Wolfsfährte“ verlost. Antworten bitte bis zum 14.5.26 per E-Mail
