Tod in der Reha Klinik
Petra Kurz

Federfrei Verlag


ISBN 978-3-9907-4368-3
März 2026

Hildegard von Sinnen, eine krisengebeutelte Krimiautorin mit Rückenleiden, verschlägt es in eine Rehaklinik am Rande Wiens.
Was als zähes Therapieprogramm mit Sitzgymnastik und Kantinenfraß beginnt, wird schnell zu einem düsteren Puzzle: Eine Patientin stirbt – angeblich ein Unglück, doch Hilde wittert Mord. 
Zusammen mit dem eigenwilligen Inspektor Paulus, dessen Humor genauso trocken ist wie der Marmorkuchen in der Kantine, rollt sie einen Jahrzehnte alten Fall auf: Ein verschwundenes Mädchen, eine verbotene Internatsaffäre und eine Clique von Frauen, die mehr Leichen im Keller haben als Tabletten
im Nachtschrank.
Während sich Hilde in ein Netz aus Lügen, Eifersucht und längst verdrängten Rachegelüsten verstrickt, wird sie selbst zur Zielscheibe, doch statt sich einschüchtern zu lassen, beweist sie, dass sie trotz Rückenschmerzen
einen Mordfall sauber zu Ende bringen kann – auf ihre Art.
Am Ende ist klar: Die Reha hat nicht nur ihre Bandscheibe gerettet, sondern auch ihre Schreiblust wieder zurückgebracht. Und Hilde und Paulus sind ein Team, das man nicht so schnell loswird.
Petra Kurz

Petra Kurz

Petra Kurz ist Autorin von Romanen, Thrillern und schwarzhumorigen Krimis mit Wiener Schmäh. Mit skurrilen Figuren, Spannung und einem augenzwinkernden Blick auf gesellschaftliche Alltagsthemen schafft sie Geschichten, die unterhalten und zugleich zum Nachdenken anregen. Neben dem Schreiben widmet sie sich der Kunst und Fotografie. Die Autorin lebt mit ihrer Familie und drei Maine-Coon-Katzen in Niederösterreich und sammelt auf Reisen Inspirationen für ihre Bücher.

Leseprobe

Kaffekränzchen der besonderen Art

Schon bei meinem allerersten Rundgang wurde mir klar: Hier

weht ein rauer Wind, und der kam direkt von einer Seniorin

mit Rollator, die sich mit der Grazie einer Abrissbirne durch die

Gänge manövrierte. Klein, krumm, mit einem Rücken wie ein

Fragezeichen und einer Stimme, die problemlos Betonwände

perforieren konnte – subtil war sie jedenfalls nicht.

Sie rauschte vorbei, musterte mich von Kopf bis Fuß, ihr

Blick voller Abscheu, und brummelte: »Im Weg rumstehen

können Sie später!« Dann rollte sie weiter, ihre Gummistopper

quietschten wie Bremsen vor einem Abgrund.

Ich suchte Zuflucht in der Cafeteria – dem pulsierenden Herzen

dieser Anstalt oder, je nach Tagesform, ihrem seelenlosen

Magen. Strategisch lag sie perfekt: ein Glaswürfel zwischen

Haupteingang, Rezeption und dem Gang zur Kantine. Wer hier

saß, sah alles. Niemand kam rein oder raus, ohne an diesen Plastiktischen

vorbeizukönnen.

Die Stühle quietschten erbärmlich. Mein Tee schmeckte nach

heißem Leitungswasser mit einem Schuss Desinfektionsmittel,

aber ich tat so, als würde er Wunder wirken. Vor mir lag mein

Notizbuch – aufgeschlagen, leer, so erwartungsvoll wie ein

Hund vor der Wursttheke. Vielleicht, dachte ich, würde es ausgerechnet

hier endlich wieder Tinte sehen.

Madame Rollator – so hatte ich sie in Gedanken getauft –

blieb nicht lange verschwunden. Plötzlich stand sie wieder vor

mir und fixierte mich wie ein verdächtiges Puzzlestück in ihrem

Privatkrimi. Ihre strohigen Haare quollen unter einem Haar13

reifen hervor, der längst kapituliert hatte. Der violette Jogginganzug

spannte über knochigen Schultern, ihre Füße steckten

in Hausschuhen mit Leopardendruck, die schon bessere Tage

gesehen hatten.

»Neu hier, was?«, fauchte sie, ohne auf eine Antwort zu warten.

Ihre Augen blitzten wie Suchscheinwerfer.

»Erste Woche«, antwortete ich, mehr aus Reflex.

»Na, dann passen Sie auf, dass Sie nicht unter die Räder kommen.

« Ein trockenes Lachen, dann schob sie ihren Rollator weiter.

Sympathieträgerin? Nur wenn man auf Abrissbirnen mit

Resthaar und Stahlnerven steht, aber in meinem Kopf begann

es zu arbeiten: Ein Mensch wie sie? Ein Geschenk. Ihre Stimme, ihr

Blick, ihre Rücksichtslosigkeit – perfekt, um irgendein dunkles Geheimnis

dahinter zu vermuten. Vielleicht weiß sie mehr, als sie sollte. Vielleicht

würde sie reden oder schweigen. Beides war gut für meinen Plot.

Ich klappte mein Notizbuch auf, kritzelte ihre Beschreibung

hinein und schrieb groß darüber: Person of Interest.

Es fühlte sich gut an. Endlich wieder Verdächtige, endlich

wieder Spuren, die nur darauf warteten, verfolgt zu werden.

Mein Rücken knackte protestierend, aber das war mir egal.

Madame Rollator war der Anfang.

Ich beobachtete, wie Madame mit ihrem persönlichen Rammbock

auf Rädern plötzlich wie festgewurzelt vor einer weiteren

betagten Dame zum Stillstand kam. Für einen Moment schien

sogar Madame sprachlos. Man sah förmlich, wie sie einmal trocken

schluckte, so als müsste sie erst den Ärger von Jahrzehnten

herunterwürgen.

Offenbar hatte sie mit vielem gerechnet: mit widerspenstigen

Therapeuten, klemmenden Aufzügen oder einem spontanen

Polka-Abend im Foyer, aber sicher nicht damit.

Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Petra Kurz

Wo schreibst du am liebsten?

Zu Hause auf meinem Schreibtisch.

Welcher ist dein Lieblingskrimi?

Komm, süßer Tod (1998). 

Dein Lieblingskollege/Lieblingskollegin?

Wolf Haas.         

Warum bist du im SYNDIKAT?

Weil ich mich mit Gleichgesinnten vernetzen und den Bekanntheitsgrad meiner Bücher steigern möchte.        

Dein Lieblingswort?

Vielleicht.          

Dein Sehnsuchtsort?

Die Berge.         

Dein Lieblingsgetränk?

Schwarzer Tee mit Zitrone.         

Dein Lieblingsmord?

Wenn sich dahinter eine Geschichte verbirgt.          

Wo findest du Ruhe?

In der Natur          

Wo Aufregung?

Bei Lesungen und Veranstaltungen jeglicher Art.

          
Deine persönlich meist gehasste Frage?

Wie viele Bücher hast du schon verkauft?

Das SYNDIKATS-Gewinnspiel


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Lesungen & Buchvorstellungen

Wann Was Wo
17. Okt. 26
09:00 Uhr
Messe Mariahilfberg Dorfpension Mariahilfberg
2770 Gutenstein
24.10.2026 - 25.10.2026
09:00 Uhr
Messe Tulln Messe Buch Tulln, Donauhalle
3430 Tulln an der Donau