Tod in der Reha Klinik
Petra Kurz
Federfrei Verlag
Was als zähes Therapieprogramm mit Sitzgymnastik und Kantinenfraß beginnt, wird schnell zu einem düsteren Puzzle: Eine Patientin stirbt – angeblich ein Unglück, doch Hilde wittert Mord.
Zusammen mit dem eigenwilligen Inspektor Paulus, dessen Humor genauso trocken ist wie der Marmorkuchen in der Kantine, rollt sie einen Jahrzehnte alten Fall auf: Ein verschwundenes Mädchen, eine verbotene Internatsaffäre und eine Clique von Frauen, die mehr Leichen im Keller haben als Tabletten
im Nachtschrank.
Während sich Hilde in ein Netz aus Lügen, Eifersucht und längst verdrängten Rachegelüsten verstrickt, wird sie selbst zur Zielscheibe, doch statt sich einschüchtern zu lassen, beweist sie, dass sie trotz Rückenschmerzen
einen Mordfall sauber zu Ende bringen kann – auf ihre Art.
Am Ende ist klar: Die Reha hat nicht nur ihre Bandscheibe gerettet, sondern auch ihre Schreiblust wieder zurückgebracht. Und Hilde und Paulus sind ein Team, das man nicht so schnell loswird.
Petra Kurz
Petra Kurz ist Autorin von Romanen, Thrillern und schwarzhumorigen Krimis mit Wiener Schmäh. Mit skurrilen Figuren, Spannung und einem augenzwinkernden Blick auf gesellschaftliche Alltagsthemen schafft sie Geschichten, die unterhalten und zugleich zum Nachdenken anregen. Neben dem Schreiben widmet sie sich der Kunst und Fotografie. Die Autorin lebt mit ihrer Familie und drei Maine-Coon-Katzen in Niederösterreich und sammelt auf Reisen Inspirationen für ihre Bücher.Leseprobe
Kaffekränzchen der besonderen Art
Schon bei meinem allerersten Rundgang wurde mir klar: Hier
weht ein rauer Wind, und der kam direkt von einer Seniorin
mit Rollator, die sich mit der Grazie einer Abrissbirne durch die
Gänge manövrierte. Klein, krumm, mit einem Rücken wie ein
Fragezeichen und einer Stimme, die problemlos Betonwände
perforieren konnte – subtil war sie jedenfalls nicht.
Sie rauschte vorbei, musterte mich von Kopf bis Fuß, ihr
Blick voller Abscheu, und brummelte: »Im Weg rumstehen
können Sie später!« Dann rollte sie weiter, ihre Gummistopper
quietschten wie Bremsen vor einem Abgrund.
Ich suchte Zuflucht in der Cafeteria – dem pulsierenden Herzen
dieser Anstalt oder, je nach Tagesform, ihrem seelenlosen
Magen. Strategisch lag sie perfekt: ein Glaswürfel zwischen
Haupteingang, Rezeption und dem Gang zur Kantine. Wer hier
saß, sah alles. Niemand kam rein oder raus, ohne an diesen Plastiktischen
vorbeizukönnen.
Die Stühle quietschten erbärmlich. Mein Tee schmeckte nach
heißem Leitungswasser mit einem Schuss Desinfektionsmittel,
aber ich tat so, als würde er Wunder wirken. Vor mir lag mein
Notizbuch – aufgeschlagen, leer, so erwartungsvoll wie ein
Hund vor der Wursttheke. Vielleicht, dachte ich, würde es ausgerechnet
hier endlich wieder Tinte sehen.
Madame Rollator – so hatte ich sie in Gedanken getauft –
blieb nicht lange verschwunden. Plötzlich stand sie wieder vor
mir und fixierte mich wie ein verdächtiges Puzzlestück in ihrem
Privatkrimi. Ihre strohigen Haare quollen unter einem Haar13
reifen hervor, der längst kapituliert hatte. Der violette Jogginganzug
spannte über knochigen Schultern, ihre Füße steckten
in Hausschuhen mit Leopardendruck, die schon bessere Tage
gesehen hatten.
»Neu hier, was?«, fauchte sie, ohne auf eine Antwort zu warten.
Ihre Augen blitzten wie Suchscheinwerfer.
»Erste Woche«, antwortete ich, mehr aus Reflex.
»Na, dann passen Sie auf, dass Sie nicht unter die Räder kommen.
« Ein trockenes Lachen, dann schob sie ihren Rollator weiter.
Sympathieträgerin? Nur wenn man auf Abrissbirnen mit
Resthaar und Stahlnerven steht, aber in meinem Kopf begann
es zu arbeiten: Ein Mensch wie sie? Ein Geschenk. Ihre Stimme, ihr
Blick, ihre Rücksichtslosigkeit – perfekt, um irgendein dunkles Geheimnis
dahinter zu vermuten. Vielleicht weiß sie mehr, als sie sollte. Vielleicht
würde sie reden oder schweigen. Beides war gut für meinen Plot.
Ich klappte mein Notizbuch auf, kritzelte ihre Beschreibung
hinein und schrieb groß darüber: Person of Interest.
Es fühlte sich gut an. Endlich wieder Verdächtige, endlich
wieder Spuren, die nur darauf warteten, verfolgt zu werden.
Mein Rücken knackte protestierend, aber das war mir egal.
Madame Rollator war der Anfang.
Ich beobachtete, wie Madame mit ihrem persönlichen Rammbock
auf Rädern plötzlich wie festgewurzelt vor einer weiteren
betagten Dame zum Stillstand kam. Für einen Moment schien
sogar Madame sprachlos. Man sah förmlich, wie sie einmal trocken
schluckte, so als müsste sie erst den Ärger von Jahrzehnten
herunterwürgen.
Offenbar hatte sie mit vielem gerechnet: mit widerspenstigen
Therapeuten, klemmenden Aufzügen oder einem spontanen
Polka-Abend im Foyer, aber sicher nicht damit.
Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Petra Kurz
Wo schreibst du am liebsten?
Zu Hause auf meinem Schreibtisch.
Welcher ist dein Lieblingskrimi?
Komm, süßer Tod (1998).
Dein Lieblingskollege/Lieblingskollegin?
Wolf Haas.
Warum bist du im SYNDIKAT?
Weil ich mich mit Gleichgesinnten vernetzen und den Bekanntheitsgrad meiner Bücher steigern möchte.
Dein Lieblingswort?
Vielleicht.
Dein Sehnsuchtsort?
Die Berge.
Dein Lieblingsgetränk?
Schwarzer Tee mit Zitrone.
Dein Lieblingsmord?
Wenn sich dahinter eine Geschichte verbirgt.
Wo findest du Ruhe?
In der Natur
Wo Aufregung?
Bei Lesungen und Veranstaltungen jeglicher Art.
Deine persönlich meist gehasste Frage?
Wie viele Bücher hast du schon verkauft?
Das SYNDIKATS-Gewinnspiel
Wie heißt der Tischnachbar von Hildegard von Sinnen im Buch "Tod in der Reha Klinik"? Unter den richtigen Antworten werden drei Bücher verlost. Schickt eure Antworten bis zum 10.9.26 per E-Mail.
Lesungen & Buchvorstellungen
| Wann | Was | Wo |
|---|---|---|
| 17. Okt. 26 09:00 Uhr |
Messe Mariahilfberg |
Dorfpension Mariahilfberg 2770 Gutenstein |
| 24.10.2026 - 25.10.2026 09:00 Uhr |
Messe Tulln |
Messe Buch Tulln, Donauhalle 3430 Tulln an der Donau |