Naked Identity
Daniel Carinsson

BoD-Verlag

Taschenbuch 400 Seiten. Mit 20 Seiten Glossar zur Roma-Community und der Ukraine. Auch als E-Book (kostenlos mit Kindle-Unlimited)

ISBN 978-3-7583-3105-3
1. Auflage, April 2024

16,50 € [D], SFr. 15,90 [CH], 16,50 € [A]

Kiew: ein Videoclip trendet im Netz. Eine Handykamera hat den Sturz von einem Hochausdach gefilmt – in der Hand eines Videobloggers, der für seine rechtslastigen Triaden berüchtigt war. Schnell identifiziert die Öffentlichkeit auf den Aufnahmen die nicht weniger bekannte Aktivistin Aya Kowalenka alias „The Naked Gypsy“ als Täterin. Die streitbare Romni, im bürgerlichen Leben Wirtschaftsprofessorin, provoziert seit Jahren in der Tradition der Femen für die Rechte von Minderheiten und Frauen. Ist sie diesmal einen Schritt zu weit gegangen oder war es Notwehr? Während rechte Bürgerwehren demonstrieren, küren Gruppen aus ihrer eigenen Community sie zur Ikone eines Widerstandskampfes. Doch dann geht eine ehrgeizige Boulevardjournalistin mit einer Enthüllung auf Sendung, die alles wieder auf den Kopf stellt. 

Kann ausgerechnet Bandmanager und Gelegenheitsinformant Adam Wischnewski mit seiner Wiener Truppe die Verfolgte aus dem kochenden Hexenkessel herausholen? Und vor allem, will er das überhaupt?

Daniel Carinsson

Daniel Carinsson

Der geborene Berliner ist ein klassischer Kreuz-und-Quer-Einsteiger. Gelernter Tontechniker, später Musikproduzent, Werbetexter, zwischenzeitlich Bandleader und Hiker in den USA, dann PR-Profi, Veranstalter sowie Betreiber eines Musiklabels in Wien und schließlich Social-Media-Manager, Online-Redakteur und Schriftsteller. Als Schaffensbasis hat er einen Ort an der Donau, nahe der slowakischen Grenze gewählt, wo er im Lichtatelier einer Jahrhundertwendevilla mit bewegter Vergangenheit lebt. Der erste Roman erschien 2011. Das große Thema in seinen Büchern ist die Welt der Roma, vor allem in Osteuropa und das Genre der Gypsy-Jazz-Musik, das Carinsson selbst gut 10 Jahre als Musikmanager erlebt und im Wortsinn inhaliert hat. Neben seinem Autorenblog veröffentlicht er auch Artikel und Kurzgeschichten in Publikationen, wie dem Standard oder der Welt. Von Mai 2015 bis Mai 2018 war Carinsson Mitglied im Sprecherteam der Autorengruppe Das SYNDIKAT und von 2016 bis 2018 dritter Vorsitzender des SYNDIKAT e.V. Weiterhin ist er als Webmaster im und für das SYNDIKAT aktiv.

Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Daniel Carinsson

Wo schreibst du am liebsten?

Im Garten, am Strand, im Kaffeehaus oder im Zug.

Welcher ist dein Lieblingskrimi?

Tod und Teufel, Frank Schätzing.       

Warum bist du im SYNDIKAT?

Weil es mir schon immer Freude bereitet hat, für und mit einer Gemeinschaft etwas zu bewegen. Und weil es natürlich unendlich viel zu lernen gibt.        

Dein Lieblingswort?

Ende – weil es jedes Mal etwas unheimlich Erhebendes hat, diese vier Anschläge unter eine zu Ende erzählte Geschichte zu setzen.         

Dein Sehnsuchtsort?

Montalcino, Saintes-Maries-de-la-Mer, Venedig, Los Angeles (in dieser Reihenfolge).        

Dein Lieblingsgetränk?

Kaffee, schwarz.         

Dein Lieblingsmord?

Der verhinderte.         

Wo findest du Ruhe?

In den Weingärten Pannoniens.         

Wo Aufregung?

In der Zeitung.

Deine persönlich meist gehasste Frage?

„Darf ich dich etwas fragen?“         



Leseprobe

Bunker

Die Beats forderten die Anlage bis zur letzten Reserve. Dezibel waren nach wie vor das Mittel der Wahl, wenn es galt, schlechte Tunes und schlechten Geschmack zu übertönen, das hatte sie schon oft genug festgestellt. Andererseits war die Crowd, die sich auf der laserlichtgefluteten Fläche zwischen den vier Bars aneinander abarbeitetet, nicht weniger billig als die altbackenen Housetracks, die jede Glasscheibe hätten springen lassen. Nur dass es im Bunker keine Glasscheiben gab.

Der Bunker. Ein Betonquader, den der Kreml in den frühen Achtzigerjahren auf dem Grund des Dnepr verbuddelt und irgendwann vergessen hatte. Ein ehemaliger KGB-Offizier war der ungewöhnlichen Immobilie habhaft geworden, und nun war das Ganze der angesagteste Club, der offiziell gar nicht existierte – außer für die Mitglieder einer autosuggestiven Kiewer Nachwuchselite, die gerade noch vor ihrem Dreißigsten den Sprung in die Oberschicht schaffen wollte. Wissend, dass ihnen Pandemie und Krieg wertvolle Zeit genommen hatten und dass mangels Familie, Vermögen und Skrupellosigkeit der einzige Weg für sie dorthin über Körperöffnungen führte, produzierten sie sich hier wie bei einer gewaltigen Castingshow. Im wahrsten Sinne abgetaucht, jenseits von Ausgangssperren und auf jeden Fall luftschutzsicher. Mit der richtigen Menge an Chemikalien und Alkohol gaben sie sich jede Nacht der Illusion hin, selbst Jägerinnen und Jäger zu sein, nur um am nächsten Morgen festzustellen, dass sie nicht mal als Beute getaugt hatten.

Die einzige Type mit Stil war die Shemale am Videopult, die dem Clubbesitzer gehörte, was durch ein großes Emailleschild mit der Aufschrift Private Property deutlich gemacht war. Es baumelte rhythmisch von der pink glänzenden Kette, die das große, schlanke, vollbusige Wesen mit dem Betonklotz verband, auf dem ihre Videopulte standen. Sie musste sich niemandem mehr verkaufen.

Was für ein beschissener Ort für ein Interview, fasste Sia ihre Bestandsaufnahme für sich zusammen, als ihr Gesprächspartner von der Toilette zurückkehrte.

»Warum schuldig?«, brüllte sie gegen das Bassinferno an.

»Was?«, antwortete er, so wie bis jetzt auf jede ihrer Fragen.

»Sie sagten, Sie fühlen sich mitschuldig. Warum das?«

»Vielleicht hätte ich mehr kämpfen sollen.«

»Kämpfen? Wogegen?«

»Ihre Einstellung. Sie wurde schon damals immer radikaler. Ich konnte damit nicht umgehen.«

»Was ist passiert?«

»Was?«

»Was damals passiert ist?«

»Ich hatte … ach, verdammt, kommen Sie!« Er rutschte vom Barhocker und griff nach ihrer Hand. Sie widerstand dem Reflex, sich ihm zu entziehen, sammelte ihr Handy und ihre metallblaue Handtasche vom Tresen ein und folgte ihm.

Das SYNDIKATS-Gewinnspiel

Wie nennt man den Rhythmus, bei dem jeweils der Offbeat betont wird und der typisch für schnellen, treibenden Gypsy-Songs ist? Von Django Reinhardt bis Fanfare Ciocărlia.

Verfolgt die Video-Serie von Daniel Carinsson auf Instagram, Facebook, LinkedIn oder TikTok und erfahrt es.

Zu gewinnen gibt es: 3 mal den neuen Roman „NAKED IDENTITY – WER IST AYA?“ + 5 mal die Kult-Gypsy-Groove-Compilation „OST KLUB“, der perfekte Soundtrack zu Daniel Carinssons Krimis. Schickt eure Lösung bis zum 23.5.2024 per E-Mail


Leseproben & Dokumente

Termine

Wann Was Wo
06. Sep. 24
18:00 Uhr
Lesung NAKED IDENTITY- WER IST AYA K?
Lesung & Diskussion mit dem Publikum
Haydnbibliothek Hainburg
2410 Hainburg an der Donau