Mörderische Frauenzimmer
Mirella Kuchling

edition keiper

Taschenbuch

ISBN 978-3-9033-2284-4
14. April 2023

21,40 € [D], SFr. 21,73 [CH], 22,– € [A]
Die hier vorliegenden Lebensgeschichten spielen sich vom
17. bis ins beginnende 20. Jahrhundert ab. Es ist eine Zeit der Armut und der Aussichtslosigkeit, besonders für Frauen. Aber sie wissen sich gegen widrige Zeitumstände, unerwünschte Kinder und lästige Männer zu wehren. Damals war Arsen ja noch leicht zu bekommen ... und auch sonst war man nicht besonders zimperlich. Nur einen Fehler machten diese berühmt-berüchtigten Frauen: Ab einem bestimmten Moment fing ihnen ihr Tun oft zu gefallen an und sie konnten nicht aufhören. Allerdings gab es schon Exhumierungen und kriminologisch präzise Untersuchungen. Und für viele den Tod durch den Strang.

Mirella Kuchling

Mirella Kuchling lebt in Graz. Auf ein bestimmtes Genre festlegen lässt sie sich nicht, aber seit sie beim 1. Grazer Fine Crime Festival Blut gerochen hat, mordet sie nächtens leidenschaftlich. Natürlich nur auf dem Papier ... Zum Festival kam sie durch Zufall mit einem vierseitigen Ausdruck ihrer ersten Kriminalgeschichte, die sich dann auch in „13 x Mord“ findet. Mit dieser Sammlung rund um Mord und Totschlag konnte sie dann beim 2. Fine Crime Festival als „richtige“ Krimiautorin auftreten.

Weitere Publikationen sind das bereits vergriffene Buch „Literarische Spaziergänge durch Graz“ sowie die Frauenzimmer-Trilogie, bestehend aus „Frauenzimmer unmöbliert“, „Frauenzimmer teilmöbliert“ und „Frauenzimmer vollmöbliert“. Darin versucht eine junge Frau ihre Wohnung mithilfe von Affären zu möblieren. Alle drei Bände avancierten zu Verlagsbestsellern. Weiters Mitwirkung an Anthologien wie den „Literarischen Verortungen“, „Dächer über Graz“ oder "Tod und Tafelspitz". Im Herbst 2017 kam mit "David Green. Auf der Suche nach dem Wetterwürfel" eine schräge Fabel für Leserinnen und Leser zwischen 9 und 99 Jahren auf den Markt.

Im April 2018 erschien die Anthologie "Wovon zu schreiben ist", dafür verfasste Mirella Kuchling eine historische Kriminalgeschichte mit steirischem Hintergrund. Im selben Jahr war die Autorin wieder beim Fine Crime Festival mit dabei, außerdem schrieb sie für die Anthologie "Zweite Halbzeit - Geschichten, die Mut machen". Dieser im Residenz-Verlag erschienene Band mit Geschichten über den Neubeginn wurde anlässlich des 35-jährigen Bestehens des Vereins Frauenhäuser Steiermark publiziert.

Im Frühjahr 2023 erschien mit "Mörderische Frauenzimmer" eine Sammlung von 13 true crime-Storys der Autorin, die literarisch verdichtet davon berichten, wie raffiniert sich Frauen quer durch die Jahrhunderte und quer durch aller Herren Länder gemordet haben.

 

Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Mirella Kuchling

Wo schreibst du am liebsten?

Der Ort ist Nebensache, im Urlaub am Balkon, in der Nacht am Schreibtisch, am Land im Freien. Es ist eher die Frage, wann ich dazu Zeit finden kann.

Welcher ist dein Lieblingskrimi?

Flavia de Luce: Mord im Gurkenbeet von Alan Bradley.

Dein Lieblingskollege/Lieblingskollegin?

Robert Preis.       

Warum bist du im SYNDIKAT?

 Weil es schön ist, mit anderen AutoreInnen etwas zu teilen.

Dein Lieblingswort?

Liebe.

Dein Sehnsuchtsort?

Da gibt es einige: das Haus und der Garten meiner Oma in der Weststeiermark, Venedig, Prag, London, Amerika.

Dein Lieblingsgetränk?

 Wasser, zu feierlichen Anlässen Prosecco.

Dein Lieblingsmord?

Theoretisch viele, in natura kein einziger.

Wo findest du Ruhe?

 In der Natur, beim Lesen, beim Kochen, im Kreis meiner Familie.

Wo Aufregung?

 In meinem Kopf und in den Metropolen dieser Welt (London, New York).

Deine persönlich meist gehasste Frage?

Wie lange schreibt man an so einem Buch?



Leseprobe

Jane Toppan, der Todesengel von Massachusetts
Vereinigte Staaten

Nach und nach erstarben die Geräusche im weiten Flur des General Hospital. Die Ärzte und Schwestern, die bereits seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen gewesen waren, hatten ihre Berufskleidung abgelegt und machten sich auf den Heimweg. Entfernt hörte man noch ihre angeregten Unterhaltungen über jene, die heute das Zeitliche gesegnet und jene, die wie durch ein Wunder überlebt hatten. Ja, dachte Jolly Jane und legte das Klemmbrett gewissenhaft auf den Tisch, Wunder geschehen überall. Da sie eine umgängliche, fröhliche und zugegebenermaßen rundliche Person war, passte dieser Spitzname vorzüglich zu ihr und sie trug ihn mit Stolz. Jetzt beugte sie sich über das Bett und betrachtete Amelia Phinney eingehend. Die längste Zeit schon hatte sie sich Notizen gemacht, übrigens nichts, was von oben angeordnet worden wäre, sie ging ihren eigenen Studien nach. Liebevoll strich sie der Patientin über das Haar. Es war auf eine gewisse Art eindrucksvoll, welche Verwüstung eine Operation, die letztlich dann doch half, im Gesicht der Rekonvaleszenten hinterließ. Um Jahre gealtert sahen sie aus, wenn sie aus dem Operationssaal geschoben wurden, und alte Menschen, das hatte Jane Toppan nicht nur sich selbst immer wieder gesagt, hatten eigentlich kein Recht zu leben. Unnütze Esser waren sie, die Betten belegten, die andere nötiger brauchten als sie.

Aber das war im Moment ohne Belang, denn das Morphium, das sie der Patientin mit der Bemerkung, dies wäre ein unglaublich wirksames Schmerzmittel, vorhin in einer viel zu hohen Dosis verabreicht hatte, tat seine Wirkung. Eine Welle der Erregung fegte über Jane hinweg, rasch hob sie ihre Röcke, erkletterte das schmale Eisenbett und schon war sie über Amelia Phinney. Sie nahm ihr Gesicht in die Hände und küsste leidenschaftlich die bleiche Stirn, auf der sich Schweißtropfen gesammelt hatten, danach die geschlossenen Lider, die Schatten darunter, die Nase, den Mund. Letzterer hatte es ihr am meisten angetan, so sanft und rosig war er ... Mannsbilder hatten meist Bartstoppeln im Gesicht oder überhaupt einen Bart und wenn sie auch meinten, das würde nur ein wenig kitzeln, so stach es erbärmlich und rieb die Haut ab wie Schmirgelpapier. Jane rutschte ein Stück weiter auf den Körper, den sie bald ganz bedeckte und schob ihre Zunge in den Mund der Patientin. Sie spürte den bitteren Geschmack nun selbst. Plötzlich schreckte sie ein Geräusch auf. Flinker als man das einer Person ihrer Korpulenz zugetraut hätte, schob sie sich vom Bett, zog ihr Kleid nach unten, schüttelte das Bettzeug auf, raffte das Klemmbrett an sich und verließ hastig den Raum. Amelia Phinney wachte am nächsten Morgen wie gewohnt auf und wunderte sich über ihre wirren Träume. Erst vierzehn Jahre später sollte sie erfahren, dass sich all das wirklich zugetragen hatte.

Jane schwebte den Gang entlang, wie rettende Engel es so an sich haben. Dann setzte sie sich im Schwesternzimmer an den Tisch und trank eine Tasse Tee. Während sie in der dampfenden, goldgelben Flüssigkeit rührte, schweiften ihre Gedanken ab und bald fand sie sich in der ärmlichen Schneiderwerkstatt ihres Vaters wieder. Voll Unmut runzelte sie die Stirn. Er war ein Säufer gewesen, ein Tunichtgut und als ihre Mutter Bridget starb, war alles den Bach hinunter gegangen. Jane, die damals noch Honora Kelley hieß, war erst ein Jahr alt gewesen, als ihre Mutter den letzten Atemzug tat. Die Tuberkulose machte eben keinen Unterschied, ob man daheim noch gebraucht wurde oder nicht. So waren die vier Mädchen dem Vater anvertraut, der traurige Berühmtheit erlangte, als er sich selbst die Augenlider zunähte. Jane lachte bitter auf. Hinter vorgehaltener Hand tuschelten sich die Leute damals zu, dass er seine vier Mädchen zu lieb gehabt hätte. Ein Vater, so allein … Jane nahm einen weiteren Schluck Tee und ihr Gesicht verfinsterte sich. Wenn eine Nachtschwester hereingekommen wäre, hätte sie sich sehr gewundert und sich gefragt, ob Jolly Jane nicht etwa krank wäre. Da sei Gott vor, sie hatte eine wahre Rossnatur, sonst hätte sie auch nicht das Boston Female Asylum überstanden, in das ihr Vater sie und ihre Schwester schließlich gebracht hatte. Delia war damals gerade einmal acht Jahre alt gewesen, sie sechs.

Rezension

„Bleibt nur die Frage: Wäre Mirella Kuchling selbst Serienmörderin, wer fände sich dann, so gekonnt über sie zu fabulieren?“

Robert Preis, Vorwort der „Mörderischen Frauenzimmer“

Das SYNDIKATS-Gewinnspiel

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