Hardt am Limit
Freia Hardt ermittelt
Chris Staedter
Ullstein Buchverlage
Eigentlich wollte Oberkommissarin Freia Hardt gemeinsam mit Gerichtsmediziner Gregor von Selm nur eine Auszeit auf der kroatischen Insel Brač genießen. Doch statt Sonne und Meer erwartet sie eine grausam zugerichtete Leiche. Die örtlichen Kollegen bitten die beiden um Amtshilfe – denn nur 24 Stunden später wird eine weitere Tote gefunden.
Zurück in Berlin stößt Freia auf einen Mordfall mit demselben brutalen Muster. Die Spur führt zu Pauk – „die Spinne“ – einem Auftragskiller, dessen tödliches Netz bis in die Zeit der Balkankriege reicht. Als ein Anschlag auf den Ehemann ihres Kollegen misslingt, wird klar: Sie sind dem Täter gefährlich nahe. Doch während sie die Spinne jagen, hat diese ihr Netz längst um Freia gesponnen ...

© Johanna Pesendorfer
Chris Staedter
Chris Staedter (*Hilden / NRW, eigentlich Christiane Pesendorfer) studierte Germanistik und Musikwissenschaft in Bonn und Bochum.
Nach freien Assistenzen trat sie 1999 ihr erstes Festengagement an der Kölner Oper an. Es folgten das Aalto-Theater Essen und die Bühnen Osnabrück,
bevor sie als Künstlerische Betriebsdirektorin und Stellvertretende Intendantin an das Theater Erfurt wechselte, wo sie erstmals auch Regie führte.
Seit 2016 ist sie als Künstlerische Produktionsleitung an der Deutschen Oper Berlin tätig und lebt gemeinsam mit ihrem Mann, Kind und zwei Dackeln in Steglitz.
Unter ihrem Pseudonym erschienen 2025 ihre ersten zwei Kriminalromane im Ullstein Verlag, sowie eine weihnachtliche Kurzgeschichte in einer Anthologien bei Pattloch. 2026 werden die Romane mit zwei Bänden fortgesetzt. Im Frühjahr 2027 gibt Chris Staedter ihr Taschenbuch Debüt.
Fragen der SYNDIKATS-Redaktion an Chris Staedter
Wo schreibst du am liebsten?
Am liebsten würde ich in einem schönen Arbeitszimmer - mit tollem Ausblick - an einem Schreibtisch schreiben. In der Realität schreibe ich aber: im Auto oder auf dem Sofa.
Warum bist du im SYNDIKAT?
Schreiben ist oft einsam. Im Verein findet man Menschen, die ähnliche Herausforderungen kennen und mit denen man sich fachlich und kreativ austauschen kann.
Dein Sehnsuchtsort?
Eine Bank mit Blick auf einen See oder auf einen Berg.
Dein Lieblingsgetränk?
Rotwein.
Wo findest du Ruhe?
In der Badewanne.
Leseprobe
„Das ist genau wie auf Brač. Er tötet in schneller Taktung. Innerhalb von 24 Stunden zwei Leichen. Scheiße!“ Freia wischte gereizt über die beschlagene Seitenscheibe des Dienstwagens und blickte nach draußen. Der Bodennebel hing dicht über den endlosen und kahlen Feldern Brandenburgs. Man konnte erahnen, dass die Luft kalt und feucht war.
„Er hat einen Plan und ist bestens vorbereitet. Ist uns immer einen Schritt voraus.“ Max verzog düster das Gesicht, griff das Lenkrad fester. „Allerdings wurde dieser hier bereits vor dem Koch getötet, jedoch erst jetzt gefunden.“
„Wir müssen trotzdem schneller werden. Was, wenn er noch mehr Menschen im Visier hat? Was, wenn wir noch nicht alle gefunden haben?“
„Wenn er wirklich auch für die Morde auf Brač verantwortlich war, dann kann es nicht viel mehr Tote geben, die wir noch nicht entdeckt haben. Er ist ja maximal erst ein bis zwei Tage vor euch in Deutschland angekommen. Aber Murat und Sara sind dran. Vielleicht finden sie potenzielle weitere Opfer.“
„Er ist möglicherweise Pauk, vergiss das nicht! Er kann in kürzester Zeit viele töten! Das zeichnet ihn aus.“ Freia sah Max kurz ernst von der Seite an. „Warum haben uns die Kollegen eigentlich kontaktiert? Hat unser Fall schon die Runde gemacht?“, fragte Freia, während sie wieder aus dem Fenster die Landschaft betrachtete.
Sie fror. Kurz sehnte sie sich zurück in die kroatische Sonne.
Max hatte sie heute Vormittag von zu Hause eingesammelt, weil sich Emre Beck, Oberkommissar aus Potsdam, bei ihm gemeldet hatte. Es hatte einen Leichenfund in einem Einfamilienhaus bei Geltow gegeben.
„Im Rahmen seiner Recherche hat Murat gestern mit Beck gesprochen - es gibt wohl eine größere serbische Community in Potsdam. Heute der Tote. Beck hat sofort geschaltet. Die Auffindesituation war ungewöhnlich. Das mit den Geldscheinen soll auch hier der Fall sein.“
„Sind Beck und die Kollegen noch vor Ort?“
„Nein. Nur die Spurensicherung. Wir wollen uns auch nur kurz ein Bild machen und überlassen dann den Kollegen wieder das Feld.“
Schade. Freia hätte Emre Beck gerne einmal wieder getroffen. Sie hatte ihn bei ihrem ersten Fall in Berlin kennengelernt.
„Bekommt Gregor die Leiche auf den Tisch, oder bleibt die in Brandenburg?“
„Gregor hat schon angemeldet, dass sie dann auch zu ihm kommt.“
Freia musste an die gestrige Nacht denken. Gregor hatte bei ihr übernachtet und ihre Wohnung erst kurz bevor Max sie heute abgeholt hatte, verlassen. Sie hatten sich in Freundschaft getrennt. Für Freia war klar, dass sie nicht bloß ein Kontakt in Gregors Telefon sein wollte, wenn er das Bedürfnis nach körperlicher Nähe hatte. Das würde in der dienstlichen Zusammenarbeit irgendwann problematisch werden. Das wusste sie. Trotzdem hatten sie am Morgen noch eine schnelle Nummer unter der Dusche geschoben. Gregor war einfach gut. Aber jetzt wollten sie in dieser Hinsicht auf Distanz gehen. Für Gregor war das nicht unbedingt so nachvollziehbar gewesen. Er hätte gerne diese Freundschaft-Plus weiterbetrieben, aber er respektierte Freia und ihre Wünsche. Hatte er gesagt.
