Der Preis in der Sparte "Roman" ist mit 5.000 Euro in bar in nicht fortlaufend nummerierten Scheinen dotiert. Der oder die PreisträgerIn 2019 wurde am Samstag, den 13. April 2019 während der 33. CRIMINALE, des Jahrestreffens des SYNDIKATs, in Aachen verkündet und geehrt.

Preisträger für den Friedrich-Glauser-Preis 2019 in der Sparte "Roman":

Bronski Max Oskar Cover Quelle DroemerBronski Max (c) Peter Frese Quelle Droemer

Max Bronski, Foto (c) Peter Frese
Oskar, Droemer 

Oskar steht in Boxershorts im Englischen Garten. Das ist immer noch besser, statt als „Person ohne Identität“ in einem Sarg zu liegen. Wer ist er? Woher kommt er? Oskar hat keine Ahnung. Dass ihm dubiose Typen auf den Fersen sind, und er ständig zwei Stimmen hört, die seine Lage kommentieren, macht die Sache nicht einfacher.
Was für eine abgefahrene Geschichte: Ein Mann befreit sich aus einem billigen Holzsarg, kurz bevor er im Krematorium in Flammen aufgeht. Der Mann flüchtet und landet in einem Kiosk im Englischen Garten mitten in München. 
So nimmt die Geschichte von Oskar ihren Lauf. Wobei Oskar nicht der richtige Name des Romanhelden ist und es auch nicht bleiben wird. 
Oskar von Max Bronski ist ein Roadmovie in zweierlei Hinsicht. Die Suche nach seiner Identität führt den Protagonisten bis nach Südtirol und zurück in die Zeit seiner Jugend in den 70ern . Und es ist auch ein Trip durch seine innere Befindlichkeit. Das allein schon, dieses doppelte Roadmovie, macht den Roman Oskar, erschienen bei Droemer, zu einer Geschichte mit Tiefgang, somit nicht nur lesenswert, sondern im besten Sinne auch preiswürdig.
Oskar macht auf seiner Suche spektakuläre wie schmerzhafte Entdeckungen. Der Zweifel ist sein 

ständiger Begleiter. Krimihandlung, Familiengeschichte im Spiegel politischer Ereignisse – klug miteinander verwoben und erzählt.
Der Roman Oskar bringt alles mit, was ein guter Kriminalroman in diesen Zeiten mitbringen sollte: der Plot ist stimmig, die Dramaturgie ebenfalls, die Sprache ist so einfach wie eindrücklich. Die Bilder passen, nichts lenkt von der Handlung ab. Oskar ist ein durch und durch sympathischer Held. Man möchte ihn bei der Hand nehmen und ihm bei seiner Suche helfen. Vor allem aber vor den ganzen Problemen schützen, die auf ihn einstürzen. 
Max Bronski ist das Pseudonym von Franz Maria Sonner, geboren 1953 in Tutzing am Starnberger See. Sonner/Bronski ist Autor verschiedener Kriminalromane. Bekannt ist vor allem seine Reihe um den Münchner Antiquitätenhändler Gossec.
Max Bronski ist nicht nur Autor, sondern auch Musiker. Als Bassist spielt Max Bronski den Blues. Und dieser Blues ist gleichsam auch der Grundton für seine literarische Arbeit.

 

Außerdem nominiert waren:

Beer Alex Die rote Frau Quelle Randomhouse
Beer Alex 300dpi quer Foto IanEhm Quelle RandomhouseAlex Beer
Die rote Frau
, Limes

Der Inspektor August Emmerich kommt verwundet aus dem Ersten Weltkrieg zurück und tut nun in der sogenannten „Krüppelbrigade“ in Wien seinen Dienst. Mit seinen unorthodoxen Methoden eckt er ständig an, doch im Mordfall an zwei betuchten Bürgern hat er den richtigen Riecher. Die Spur führt zu einer humanit

ären Organisation, die Kriegsopfer betreut. Aber verbirgt sich hinter der wohltätigen Fassade nicht womöglich eine braune Ideologie? 
Die Autorin hat einen wendungsreichen und actionstarken historischen Krimi verfasst, ein eindrückliches Zeitzeugnis einer vom Krieg zerstörten Stadt und ihrer verstörten Bewohner.



 

simone buchholz mexicoringporträt mexikoringSimone Buchholz, Foto (c) Gerald von Foris
Mexikoring, Suhrkamp

Die Hamburger Staatsanwältin Chastity Riley und ihr Team - Stepanovic, Stanislawski und der Calabretta - sind Kult. In „Mexikoring“ tauchen sie tief ein ins Innenleben der Parallelgesellschaften der Clans, ihrer hochkriminellen Geschäfte und ihres archaischen Wertesystems. Das junge Liebespaar Aliza und Nouri bricht aus diesen Strukturen aus und riskiert alles. 
Im brutalen Sittengemälde von Simone Buchholz trifft Aufklärung auf Stammesriten. Das Team: schnoddrig, rauchend, trinkend, mit großem Herzen, aber immer hocheffektiv und maximal auf Zack. Der Plot: Brandaktuell und in keiner Sekunde weichgespült.

 


Raether Till Unter Wasser Quelle RowohltRaether Till Foto StephanieBrinkkoetter Quelle RowohltTill Raether, Foto (c) Stephanie Brinkkoetter
Unter Wasser, Polaris

Die Youtuberin Billi Swopp wird aus einem Erlebnisbad bei Hamburg verschleppt. Zufällig ist der ermittelnde Kommissar Danowski mit seiner Tochter vor Ort. Er glaubt sofort an eine inszenierte Entführung, womit er durchaus recht hat. Swopp braucht unbedingt mehr Klicks. Allerdings hat sie dabei nicht mit den unlauteren Absichten ihrer Komplizen gerechnet. Die haben ganz schräge Sachen im Kopf, aus der vorgetäuschten Entführung wird ein blutiges Drama. In knappen, messerscharfen Sätzen erzählt der Autor von einer digitalen Welt des blanken Wahnsinns und konfrontiert uns mit einer beispiellosen Eskalation des Schreckens





Rai Edgar Halbschwergewicht Quelle PiperRai Edgar Foto MarkusSchaedel Quelle Piper

Edgar Rai, Foto (c) Markus Schaedel
Halbschwergewicht, Piper

„Kurz vor dem Ende der neunten Runde fing Lucky sich endlich den Treffer ein, der ihm erlaubte, auf die Bretter zu gehen…“ Ein Treffer im ersten Satz, bespielhaft für einen herausragenden Berliner Kiez-Krimi. „Lucky“ Ferrante, aufstrebendes Boxtalent, verliert nach einem geschobenen Kampf seinen Ruf, die Fürsorge seines Trainers und seine Freiheit. Im Knast unterweist ihn ein skurriler Zellengenosse im Taoismus. Nach der Entlassung sinnt Lucky auf Rache und zieht eine blutige Spur durchs Milieu.
Edgar Rai gelingt es, uns im klassischen Hardboiled-Style auf Luckys Odyssee mitzunehmen. In jedem Moment, im „Hier“ und im „Jetzt“.





 



Für den Friedrich-Glauser-Preis, den Autorenpreis deutsche Kriminalliteratur 2019, konnten bis zum 30. November 2018 deutschsprachige Kriminalromane von Verlagen eingereicht werden, deren Erscheinungstermin zwischen Dezember 2017 und November 2018 lag (Originalausgaben).
 


Die Liste aller 456 eingereichten Werke können Sie hier herunterladen (PDF) 341.6K.

Die Juroren waren:

Wolfgang BortlikLisa Graf-RiemannLena JohannsonArnold Küsters und Andreas Schäfer.

Juryorganisation: Michaela Pelz