Der Ehrenpreis der Autoren wird vom SYNDIKAT für besondere Verdienste um den deutschsprachigen Kriminalroman verliehen. Er ist nicht dotiert und versteht sich als Würdigung der Autoren für Arbeit und Werk einer Kollegin oder eines Kollegen.

Kneifl Edith c Marlene Mautner

Die Jury des Syndikats hat den Ehrenglauser 2018 der in Wien lebenden Schriftstellerin Edith Kneifl in Würdigung ihres literarischen Schaffens im Bereich Kriminalliteratur sowie ihres Engagements für die deutschsprachige Kriminalliteratur zuerkannt. Der Ehrenglauser 2018 wird am Samstag, dem 5. Mai 2018 während der 32. CRIMINALE, dem Jahrestreffen des SYNDIKATs, in Halle an Edith Kneifl überreicht.

Begründung der Jury

Gleich mit ihrem ersten Roman "Zwischen zwei Nächten" (1991) schaffte Edith Kneifl zwei Premieren: Sie wurde als erste Frau und zugleich als erste/r AutorIn aus Österreich mit dem Friedrich-Glauser-Preis für den besten Roman ausgezeichnet. Bereits dieser Erstling war symptomatisch für das weitere Oeuvre von Edith Kneifl, denn er entsprach nicht den gängigen Krimiusancen. Und so war es in weiterer Folge typisch für sie, sich zum großen Teil dem Schreiben von Serien zu verweigern. Nicht einmal der Schauplatz Wien kann als durchgängige Konstante gesehen werden, denn die Romane spielen auch unter anderem in den USA, in Salzburg, Florenz, Triest und Venedig. Verbindende Elemente ihrer Geschichten sind vielmehr die Abrechnung mit Menschen, die unter Hybris leiden, die Auseinandersetzung mit Feminismus und Geschlechterverhältnis und der bitteren Erkenntnis, dass manche Menschen besser tot als lebendig sind. Edith Kneifl kann als Beispiel für einen Menschen gesehen werden, der seinen Weg jenseits der gängigen Erwartungen geht und trotzdem Erfolg hat.

Zugleich war "Zwischen zwei Nächten" der Startschuss für eine beeindruckend produktive Karriere: Neben zweiundzwanzig Romanen schrieb Edith Kneifl auch zwei Kettenromane, rund hundert Kriminalerzählungen, zehn Erzählungen, Aufsätze und Essays sowie ein Kunstbuch. Außerdem zeichnete sie als Herausgeberin für dreizehn Kriminalanthologien und drei Frauenkriminalanthologien verantwortlich.

Letztere weisen auch auf eine weitere Eigenschaft von Edith Kneifl hin: Seit Beginn ihrer Karriere setzte sie sich mit lauter Stimme dafür ein, dass der Kriminalroman die ihm gebührende Aufmerksamkeit und Anerkennung in der Öffentlichkeit bekommt. Ein Teilaspekt ist dabei die Förderung von Kolleginnen und Kollegen, sei es durch deren Einbindung in ihre Anthologien, durch antreibendes Engagement bei Krimigruppen wie den Krimiautorinnen Österreich, durch tatkräftige Mithilfe beim Etablieren neuer Krimievents oder aktives Netzwerken wie die Vermittlungen zwischen KollegInnen und Verlagen.

Am 1. Jänner 1954 geboren, wuchs Edith Kneifl in Lenzing/Oberösterreich auf. An der Universität Wien promovierte sie 1980 in Psychologie und Ethnologie. Anschließend arbeitete sie bei der interministeriellen Arbeitsgruppe zur Behandlung frauenspezifischer Angelegenheiten im Bereich des Unterrichtswesens (1980-1981). Daneben engagierte sie sich bis 1983 als Organisatorin bei "Künstler für den Frieden" und war als Journalistin im österreichischen Dokumentations- und Informationszentrum tätig (1982-1984). Seit damals ist ihr Hauptwohnsitz Wien. In späteren Jahren ließ sie sich zur Psychoanalytikerin ausbilden. Die Tischtennisspielerin (Staatsliga, Nationalteam) absolvierte auch längere Aufenthalte in Griechenland und in den USA. Die Reiselust ist ihr geblieben, unter anderem frönt sie ihr des Öfteren mit Turns in der Adria auf ihrer kleinen Yacht "Miss Marple"..

Die Ehrenglauser-Jury des SYNDIKATs 2018: Jürgen KehrerSunil MannSabina Naber