Sie hilft eigentlich, Leben zu erhalten

VORGELADEN

Christiane D.Hier nehmen wir die Autoren der „Criminale 2010“ mit jeweils 10  Fragen ins Verhör. Vom Aussageverweigerungsrecht nach § 136 der Strafprozessordnung können die Damen und Herren anders als die Täter in ihren Büchern leider keinen Gebrauch machen. Stattdessen wird es gern gesehen, wenn sie sich durch eine wahrheitsgemäße Aussage selbst belasten. Heute vernehmen die 1960 in Datteln geborene Krimiautorin

Christiane Dieckerhoff

1. Wann verspürten Sie zum ersten Mal Gefallen an einer kriminellen Tat sowie das Bedürfnis, so etwas auch gerne einmal zu machen?
Das Schlimmste, was ich außer Äpfelklauen getan habe, war das Stehlen eines Lippenstiftes, weil die Schlange vor der Kasse so lang war. Aber das ist ungefähr hundert Jahre her. Ansonsten fahre ich nicht einmal bei Rot über die Ampel.

2. Was haben Sie gemacht, bevor Ihre kriminellen Machenschaften an die Öffentlichkeit gerieten? Verfügen Sie über eine solide Ausbildung?
Jepp: Ich bin Fachkinderkrankenschwester für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin. Also die meiste Zeit damit beschäftigt, Leben zu erhalten.

3. Könnten Sie sich vorstellen, nach einer Art Resozialisierungsmaßnahme wieder ein ganz normales Leben zu führen, als Bankangestellter vielleicht oder Lehrer? Oder gehen Sie gar zur Tarnung Ihrer Tätigkeit nach wie vor einem bürgerlichen Beruf nach?
Ich führe ein ganz normales Leben. Äußerlich.

4. Mal eine indiskrete Frage: Lässt sich mit Verbrechen eigentlich mehr Geld verdienen als mit Liebeslyrik?
Keine Ahnung – wie viel verdient man mit indiskreten Fragen?

5. Nennen Sie uns bitte Ihr größtes Vorbild, den von Ihnen am meisten geschätzten Krimiautor!
Agatha Christie

6. Gibt es einen Kriminalroman, der Sie so nachhaltig beeindruckt hat, dass sie ihn gar mehrmals gelesen haben?
 Eigentlich all ihre Bücher.

7. Was fasziniert Sie beim Schreiben mehr, die hellen oder die dunklen Gestalten?
Ich finde es schwieriger den hellen Gestalten Kontur zu verleihen. Deshalb widme ich ihnen mehr Aufmerksamkeit.

8. Wissen Sie selber schon immer vor Beginn Ihres Romans, wer der Täter sein wird, oder lassen Sie sich auch gerne mal selbst überraschen?
Ich weiß wer der Mörder ist. Überraschungen sind trotzdem an der Tagesordnung, weil Figuren oft wie pubertierende Teenager sind. Man versucht sie in eine Richtung zu lenken und sie zeigen einem den Mittelfinger.

9. Wie aufwendig ist Ihre Recherche? Sind Ihnen Originalschauplätze wichtig, oder konstruieren Sie sich lieber einen perfekten Tatort?
Beides hat seinen Reiz – Das Problem des perfekten Tatorts ist ja, dass er perfekt ist. Es kann gar nicht schaden, wenn das Setting sich auf die Handlung auswirkt. Aber es muss Sinn machen. Nicht nach dem Motto: Suche Hamburg – Ersetze Kiel.

10. Welches Ihrer Bücher halten Sie selbst für das beste, und warum ist es Ihrer Meinung nach besonders gut?
Ich bin ja eine »junge« Autorin, deshalb ist mein Werk noch zu übersichtlich, um diese Frage zu beantworten.