VORGELADEN
Hier nehmen wir die Autoren der „Criminale 2010“ mit jeweils 10 Fragen ins Verhör. Vom Aussageverweigerungsrecht nach § 136 der Strafprozessordnung können die Damen und Herren anders als die Täter in ihren Büchern leider keinen Gebrauch machen. Stattdessen wird es gern gesehen, wenn sie sich durch eine wahrheitsgemäße Aussage selbst belasten. Heute vernehmen wir die 1958 in Tönis-Vorst geborene Krimiautorin
1. Wann verspürten Sie zum ersten Mal Gefallen an einer kriminellen Tat sowie das Bedürfnis, so etwas auch gerne einmal zu machen?
Als man mir erzählte, dass Hänsel die Hexe in den Ofen gestoßen hat, war ich etwa drei Jahre alt und begeistert. Das hätte ich selbst auch so gemacht.
2. Wie lassen Sie Ihre Opfer am liebsten beseitigen, traditionell mit Schusswaffe und Messer, hinterlistig mit Gift oder lieber auf eine ganz besonders perfide Weise (abgeschraubte Bremsbeläge etc.)?
Gift soll ja die ideale Mordwaffe für Frauen sein. Es wirkt todsicher und weckt die Kinder nicht auf, aber z.B. Ertränken in der Badewanne macht auch immer wieder Spaß.
3. Was haben Sie gemacht, bevor Ihre kriminellen Machenschaften an die Öffentlichkeit gerieten? Verfügen Sie über eine solide Ausbildung?
Ich habe Visuelle Kommunikation studiert und in verschiedenen Werbeagenturen und Verlagen gearbeitet, bevor ich mich selbständig gemacht habe.
4. Nennen Sie uns bitte Ihr größtes Vorbild, den von Ihnen am meisten geschätzten Krimiautor!
Da gibt es mehrere, aber an vorderster Stelle Sabine Deitmer, die vor etwa zwanzig Jahren mit „Bey, bey Bruno“ den Weg für deutschsprachige Krimiautorinnen ebnete.
5. Gibt es einen Kriminalroman, der Sie so nachhaltig beeindruckt hat, dass sie ihn gar mehrmals gelesen haben?
Mehrere sogar, z.B. „Die Brut“ von Thea Dorn.
6. Wissen Sie selber schon immer vor Beginn Ihres Romans, wer der Täter sein wird, oder lassen Sie sich auch gerne mal selbst überraschen?
Bevor ich anfange zu schreiben, habe ich die ganze Geschichte im Kopf und ahne zumindest, wer der Täter ist. Aber ich war schon häufiger überrascht, dass ich derart daneben liegen konnte.
7. Wie aufwendig ist Ihre Recherche? Sind Ihnen Originalschauplätze wichtig, oder konstruieren Sie sich lieber einen perfekten Tatort?
Die Recherche nimmt den weitaus größeren Teil der Zeit in Anspruch und lenkt lange vom Schreiben ab. Ich benutze am liebsten Originaltatorte. Für mich ist das einfacher, als wenn ich mir einen „basteln“ muss, und der Leser hat u.U. das Vergnügen des Widererkennens.
8. Welches Ihrer Bücher halten Sie selbst für das beste, und warum ist es Ihrer Meinung nach besonders gut?
Ich lobe grundsätzlich nichts, was ich selbst geschrieben habe, schon weil mir im Nachhinein immer etwas auffällt, was ich hätte besser machen können.
9. Was war bislang Ihr größter Erfolg?
Die Schokoladenkrimis „Bitterböse“.
10. Und zum Abschluss noch die Gretchenfrage: Glauben Sie an das perfekte Verbrechen oder erhält jeder Täter am Ende doch immer seine gerechte Strafe?
Aber sicher gibt es das perfekte Verbrechen, wobei es mir persönlich lieber wäre, wenn die Gerechtigkeit siegen würde.


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