Sie mordet auf Ostfriesischen Inseln

VORGELADEN

SaladinHier nehmen wir die Autoren der „Criminale 2010“ mit jeweils 10  Fragen ins Verhör. Vom Aussageverweigerungsrecht nach § 136 der Strafprozessordnung können die Damen und Herren anders als die Täter in ihren Büchern leider keinen Gebrauch machen. Stattdessen wird es gern gesehen, wenn sie sich durch eine wahrheitsgemäße Aussage selbst belasten. Heute vernehmen wir die 1976 in Liestal/Schweiz geborene Krimiautorin

Barbara Saladin

1. Wie lassen Sie Ihre Opfer am liebsten beseitigen, traditionell mit Schusswaffe und Messer, hinterlistig mit Gift oder lieber auf eine ganz besonders perfide Weise (abgeschraubte Bremsbeläge etc.)?
Kommt sich drauf an: Ist der Mord geplant, geht es perfid und versteckt vor sich, bei Totschlägen im Affekt kann schon mal eine Knarre oder ein Messer zum Zug kommen.

2. Was haben Sie gemacht, bevor Ihre kriminellen Machenschaften an die Öffentlichkeit gerieten? Verfügen Sie über eine solide Ausbildung?
Ja. Ich besitze ein Handelsdiplom, bin also Kauffrau. Ursprünglich wenigstens.

3. Könnten Sie sich vorstellen, nach einer Art Resozialisierungsmaßnahme wieder ein ganz normales Leben zu führen, als Bankangestellter vielleicht oder Lehrer? Oder gehen Sie gar zur Tarnung Ihrer Tätigkeit nach wie vor einem bürgerlichen Beruf nach?
Ich gehe teilzeitlich dem Brotberuf der Lokalredakteurin und Journalistin nach.

4. Nennen Sie uns bitte Ihr größtes Vorbild, den von Ihnen am meisten geschätzten Krimiautor!
Vorbilder im klassischen Sinn habe ich keine, aber Autoren, die ich lieber lese als andere. Fesselnde Geschichten liefern beispielsweise die beiden Syndikatskolleginnen Gisa Klönne und Sandra Lüpkes – ihre Krimis mag ich sehr.

5. Was fasziniert Sie beim Schreiben mehr, die hellen oder die dunklen Gestalten?
Eher die hellen. Wenn mir die dunklen zu realistisch gelingen, krieg ich Angst vor ihnen. Am Spannendsten sind allerdings jene Personen, bei denen nicht klar ist, ob sie hell oder dunkel sind.

6. Wissen Sie selber schon immer vor Beginn Ihres Romans, wer der Täter sein wird, oder lassen Sie sich auch gerne mal selbst überraschen?
Manchmal glaube ich es zu wissen, was aber keine Garantie ist, dass der Verdächtige am Schluss auch effektiv der Täter ist.

7. Wie aufwendig ist Ihre Recherche? Sind Ihnen Originalschauplätze wichtig, oder konstruieren Sie sich lieber einen perfekten Tatort?
Je nach Geschichte. Manchmal kenne ich den Tatort bereits und gebe ihn originalgetreu wider oder unternehme eine Recherchereise dorthin. Oder ich erfinde ganze Städte und Dörfer.

8. Was war bislang Ihr größter Erfolg?
„Sieben Inseln, sieben Krimis“ mit Kurzkrimis von den Ostfriesischen Inseln, mein aktuellstes Buch.

9. Halten Sie die die Art und Weise wie sie über Verbrechen schreiben eher für realistisch, oder geht es Ihnen mehr um eine unterhaltsame Fiktion?
Es kommt sich ganz auf die Geschichte an. Eine Satire braucht nicht zwingend einen realistischen Tatort, ein paranoider Thriller allerdings schon. In diesem Fall achte ich also darauf, dass die Sache stimmt.

10. Und zum Abschluss noch die Gretchenfrage: Glauben Sie an das perfekte Verbrechen oder erhält jeder Täter am Ende doch immer seine gerechte Strafe?
Perfekte Verbrechen gibt es nicht, weil es keine perfekten Verbrecher gibt – die haben Fehler und Macken wie alle anderen Menschen auch. Die gerechte Strafe kriegen die wahren Täter jedoch auch bei weitem nicht alle. Schauen Sie mal in der Politik und der Wirtschaft nach….