VORGELADEN
Hier nehmen wir die Autoren der „Criminale 2010“ mit jeweils 10 Fragen ins Verhör. Vom Aussageverweigerungsrecht nach § 136 der Strafprozessordnung können die Damen und Herren anders als die Täter in ihren Büchern leider keinen Gebrauch machen. Stattdessen wird es gern gesehen, wenn sie sich durch eine wahrheitsgemäße Aussage selbst belasten. Heute vernehmen wir die 1966 im rheinlandpfälzischen Ort Diez geborene Krimiautorin
1. Wann verspürten Sie zum ersten Mal Gefallen an einer kriminellen Tat sowie das Bedürfnis, so etwas auch gerne einmal zu machen?
Das muss schon kurz nach meiner Geburt der Fall gewesen sein. O-Ton meiner Mutter: „Du als Kind – das war manchmal schon echt kriminell!“
2. Erinnern Sie sich noch an Ihren allerersten (literarischen) Mord?
Junger Mann auf Droge ermordet seine Freundin im Bett mit einem Dolch – parallel zu seinem Traum, in dem er gerade einen Voodoo-Priester ersticht.
3. Haben sich Familie und Freunde eigentlich nach Ausbruch Ihrer Leidenschaft von Ihnen abgewandt oder decken sie gar Ihr ruchloses Treiben?
Nun, mir ist aufgefallen, dass man bei Tisch jetzt immer wartet, bis ich selbst esse…
4. Was haben Sie gemacht, bevor Ihre kriminellen Machenschaften an die Öffentlichkeit gerieten? Verfügen Sie über eine solide Ausbildung?
Ein Bellestristik-Kurs sowie das Studium der Literaturwissenschaft und Psychologie haben mein Talent hinsichtlich der Organisation von Kriminalität zweifellos verstärkt.
5. Könnten Sie sich vorstellen, nach einer Art Resozialisierungsmaßnahme wieder ein ganz normales Leben zu führen, als Bankangestellter vielleicht oder Lehrer? Oder gehen Sie gar zur Tarnung Ihrer Tätigkeit nach wie vor einem bürgerlichen Beruf nach?
Bankangestellter? Nun, das Feld Wirtschaftkriminalität bietet natürlich auch jede Menge Stoff, da haben Sie recht.
6. Gibt es einen Kriminalroman, der Sie so nachhaltig beeindruckt hat, dass sie ihn gar mehrmals gelesen haben?
Jacky Law: Big Pharma – das internationale Geschäft mit der Krankheit.
7. Welches Ihrer Bücher halten Sie selbst für das beste, und warum ist es Ihrer Meinung nach besonders gut?
„Seelenbruch!“ Weil es das neueste ist.
8. Was war bislang Ihr größter Erfolg?
Trotz des Konsums von Nachrichtensendungen und Tageszeitungen bisher niemanden TATSÄCHLICH ermordet zu haben.
9. Halten Sie die die Art und Weise wie sie über Verbrechen schreiben eher für realistisch, oder geht es Ihnen mehr um eine unterhaltsame Fiktion?
Mir geht´s um fiktive Kriminalität, orientiert an der Realität, dargebracht in einer möglichst unterhaltsamen Form.
10. Und zum Abschluss noch die Gretchenfrage: Glauben Sie an das perfekte Verbrechen oder erhält jeder Täter am Ende doch immer seine gerechte Strafe?
Ich glaube nicht, sondern weiß, dass nur die kleineren Ganoven kassiert werden. Die ganz großen kommen meistens davon. Aber mit „perfektem Verbrechen“ hat das wenig zu tun, sondern mehr mit Macht.


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